
Mit Rabattcoupons ein Star an der Börse – das soll funktionieren? Das haben sich beim Börsengang der Rabatt-Plattform Groupon Ende 2011 viele gefragt. Zweifler sind geblieben. Doch viele übersehen, dass Groupon gerade einen Wandel seines Geschäfts erlebt.
Vor etwa drei Jahren wurde Groupon und die Erfolgsstory ist eigentlich bilderbuchhaft: Zunächst das am schnellsten wachsendes Startup aller Zeite, folge im November 2011 der Börsengang. Das Unternehmen ist momentan mit etwa 12,5 Mrd. Dollar bewertet. Es kann über 150 Mio. Abonnenten verzeichnen und ist in mehr als 47 Ländern der Erde online.
Obwohl es ein globales Unternehmen mit riesigem Ausmaß ist, konzentriert sich Groupon ganz auf den lokalen Markt. Groupon hat tausende von Mitarbeitern die täglich in den Ländern mit insgesamt 250.000 lokalen Geschäftsbetreibern den bestmöglichen Deal verhandeln. Doch längst fokussiert sich Groupon nicht mehr nur auf die sog. “Daily Deals”, mit denen es groß geworden, oftmals aber auch negativ in die Presse geraten ist. Um die akquirierten Kunden, die für Geschäftsinhaber allzu oft Einmal-Käufer bleiben, auch an die Geschäfte zu binden, wird in den USA aktuell beispielsweise das „Reward“ Projekt getestet. Der Kunden wird belohnt, wenn er ein Geschäft öfter aufsucht, quasi eine virtuelle Bonus-Stempelkarte. So will man vor allem Ängsten von Kleinunternehmer gerecht werden. Diese haben die Befürchtung, dass die über Groupon teuer eingekauften Kunden ohne Gutschein nie wieder beim jeweiligen Restaurant, Kosmetikstudio oder Wellness-Hotel auftauchen.
Um diese weit verbreitete Schnäppchenmentalität bei Groupon-Nutzern weiter einzudämmen und gleichzeitig trotzdem konstant neue Kunden in die Hundertausenden lokalen Geschäfte zu locken, braucht Groupon neben einer riesigen Marketing-Maschierie vor allen Dingen starke Partnerschaften. So ist das Unternehmen aus Chicago beispielsweise erst kürzlich eine Partnerschaft mit der deutschen Telekom eingegangen, um den für Groupon immens wichtigen mobilen Bereich zu stärken. Demnach wird die Groupon-App künftig auf allen von der Telekom verkauften Smartphones vorinstalliert sein. Die Marschroute von Groupon ist damit klar: Weg von E-Mail-Newslettern mit den neuesten Deals, hin zur mobilen Nutzung.
Dass sich bei Groupon derzeit vieles verändert und sich das Profil des Unternehmens in den nächsten Monaten wohl stark verändern wird, zeigen auch zahlreiche Interviews, die Unternehmensgründer und CEO Andrew Mason aktuell deutschen Pressevertretern gibt. “Wir werden das Betriebssystem des Handels”, sagt Mason beispielsweise gegenüber der FAZ. Wichtiger Baustein dieser Strategie ist das neue Produkt “Groupon Now”, das gerade in den USA eingeführt wird. Hier können Betreiber lokaler Geschäfte in einem eigenen Kundenbereich nach belieben Deals in die Plattform von Groupon einspeisen. Eine Kundin sagt kurzfristig einen Friseurtermin ab? Ein Friseur hat spontan doch noch einen Termin frei? Am späten Nachmittag bleiben viele Tische im Restaurant frei? In all diesen Situationen will Groupon künftig präsent sein, um kurzfristige Nachfrageengpässe für lokale Geschäfte zu überbrücken.
Man sollte das Milliarden-Unternehmen Groupon zum jetzigen Zeitpunkt also keinesfalls abschreiben. Die Zeichen stehen (laut eigenen Aussagen) auf Fortschritt und Evolution des Unternehmens. Man darf gespannt sein, ob die Anleger sich gedulden und Groupon bei diesem Prozess begleiten.